Viele Menschen wenden gegen Haarausfall Medikamente wie Minoxidil an. Mit der Zeit kommt bei vielen jedoch der Wunsch nach einer Haartransplantation auf. Dann ist die Frage, wie man mit dem Medikament vor und nach der Implantation umgeht. Außerdem klären wir die Frage: Haartransplantation oder Minoxidil – was ist die bessere Wahl?

Einige Anwender möchten die Behandlung mit dem Antihypertonikum außerdem nach der Eigenhaarverpflanzung weiterführen. Dann stellt sich die Frage, wann sie wieder damit beginnen. Nehmen wir eines vorweg: Du darfst das Arzneimittel rund um die Haarimplantation nicht anwenden. Warum erklären wir dir in diesem Ratgeber.

Statt Haartransplantation: Was ist Minoxidil?

Bei Minoxidil handelt es sich um ein beliebtes Medikament, das Männer und Frauen zur Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall, der sogenannten androgenetischen Alopezie, einsetzen. Es ist auch unter den Bezeichnungen Regaine, Alopexy, Neocapil (Schweiz) sowie Rogaine (Skandinavien, USA, Kanada) bekannt.

Viele Anwender möchten bei Haarausfall nicht ausschließlich auf dieses Medikament setzen, denn die Wirkkraft ist nachweislich begrenzt. Sie entscheiden sich zusätzlich oder alternativ für eine professionelle Haartransplantation. Dann kommt schnell die Frage auf, ob und wann Minoxidil abgesetzt werden muss.

Haartransplantation Minoxidil

Direkt vor der Haartransplantation Minoxidil nehmen?

Darf man trotz bevorstehender Haartransplantation Minoxidil weiternehmen? Besser ist, du setzt das Medikament möglichst zehn Tage vor dem Behandlungstermin ab. Der Grund: Es verbessert lokal die Durchblutung deiner Kopfhaut. Das ist übrigens der gewünschte Effekt: Das Anregen des Haarwachstums durch eine bessere Durchblutung der Kopfhaut.

Durch das frühzeitige Absetzen des Anti-Haarausfall-Medikaments normalisiert sich die Stärke der Durchblutung an den betroffenen Stellen wieder. In der Regel treten bei einer Verpflanzung nur leichte Blutungen auf, welche jedoch individuell zu betrachten sind.

Vermutlich wendest du Minoxidil am Empfängerbereich der Transplantation an, also den schütteren Stellen von Kopfhaut und Bartregion, an denen du zu wenig Haar besitzt. Jedoch würde das am Empfängerbereich aufgrund des verbesserten Blutflusses zu stärkeren Wunden führen, sobald der Chirurg mit der Transplantation beginnt.

Doch Vorsicht: Das Medikament wirkt sich nicht ausschließlich lokal aus. Eine bekannte Nebenwirkung ist vermehrtes Haarwachstum an Körperstellen außerhalb des Kopfes. Du solltest das Mittel also überhaupt nicht mehr anwenden – auch nicht an Hautstellen, die von der Haartransplantation überhaupt nicht betroffen sind.

Um nicht unter starken Wunden und einer erhöhten Infektionsgefahr zu leiden, solltest du vor der Haartransplantation Minoxidil also rechtzeitig absetzen. Dasselbe gilt übrigens für andere Medikamente, die die Durchblutung fördern, zum Beispiel Aspirin. Bei Schmerzen sollte ausschließlich Paracetamol zum Einsatz kommen.

Nach der Haartransplantation Minoxidil nehmen?

Während der Implantation kommt es normalerweise zu leichtem Blutaustritt, die innerhalb weniger Stunden versiegen. Doch es kann auch über Tage hinweg zu Nachblutungen kommen. Wendest du den Wirkstoff am Empfängerbereich kurz nach der Implantation an, kommt es unmittelbar nach der Anwendung zu stärkerem Bluterguss. Dasselbe gilt für den Spenderbereich.

Dies ist aber nicht der einzige Grund, warum du nach der Haartransplantation das Minoxidil nicht gleich wieder anwenden solltest. Dieses Arzneimittel besteht zu einem erheblichen Anteil aus Alkohol, welcher für die Wirksamkeit des Inhaltsstoffs essentiell ist.

Du schadest dir erheblich, indem du Minoxidil nach der Haartransplantation einsetzt. Alkohol in Verbindung mit Wunden löst einerseits brennende Schmerzen aus. Andererseits hemmt Alkohol die Wundheilung, da es die für den Verschluss der Wunde notwendigen Zellen zerstört. Du störst also den Heilungsprozess und gefährdest den Erfolg der Behandlung.

Verzichte daher in den ersten 14 Tagen nach der Behandlung auf dieses Medikament. Am Empfänger- und am Spenderbereich kann nach diesen beiden Wochen immer noch eine Krustenbildung auftreten. Dann solltest du die Wartezeit verlängern. Doch auch wenn der Wundschorf schon abgefallen ist, kann deine Haut gereizt reagieren. Teste den Wirkstoff also zunächst an einer kleinen Stelle.

Ist es überhaupt sinnvoll, nach der Implantation Minoxidil im Empfängerbereich anzuwenden? Immerhin sorgt die Verpflanzung der Grafts dafür, dass wieder zuverlässiges Wachstum festzustellen ist. Wäre das Medikament dann nicht überflüssig? Nun, tatsächlich wirkt sich das Bluthochdruck-Medikament auch trotz Transplantation positiv aus: Durch die verbesserte Durchblutung wachsen die Haare schneller.

Rund um die Transplantation Haarwuchsmittel absetzen?

Das Medikament gegen den Haarausfall wirkt nur solange du es anwendest. Sobald du es absetzt, lässt auch die Wirkung nach. Das bedeutet, dass der Haarausfall nach etwa drei Monaten wieder einsetzt. Unmittelbar nach einer Haartransplantation kommt es zu einem ähnlichen Effekt: Die verpflanzten Haarfollikel bleiben zwar in der Kopfhaut zurück, doch die Haare fallen zunächst einmal aus.

Nutzt du also vor der Transplantation Minoxidil, solltest du mit dem doppelten Haarausfall rechnen: Während der Verlust der Grafts aus den transplantierten Follikeln nur vorübergehend ist, ist der Ausfall sonstiger Haare anhaltend. Du solltest deinen behandelnden Chirurgen deshalb auch darauf hinweisen, ob und an welchen Stellen du derartige Medikamente verwendest.

Haartransplantation oder Haarwuchsmittel?

Viele Menschen, die sich über Maßnahmen gegen Haarausfall informieren, gelangen früher oder später zu der Frage, ob sie sich für eine Haartransplantation oder Minoxidil entscheiden sollten. Zu beiden Methoden gibt es Vor- und Nachteile, die wir in den nächsten Absätzen erörtern möchten.

Statt Haartransplantation: Minoxidil und seine Vorteile

Du kaufst das Mittel gegen Haarausfall einfach entweder vor Ort in einer Apotheke oder du bestellst es online in einer Versandpharmazie. Das Mittel ist kurzfristig verfügbar und du kannst es sofort anwenden. Erste Ergebnisse nimmst du bei einem guten Verlauf übrigens ab drei Monaten nach der ersten Einnahme wahr. In einigen Fällen kommt es aber erst ab zwölf Monaten zu sichtbaren Ergebnissen.

Der Wirkstoff ist auf die Bedürfnisse von Männern und Frauen angepasst und in verschiedenen Varianten verfügbar (für Männer: als 5%ige Lösung oder Schaum; für Frauen: als 2%ige Lösung).
Der Preis für das Medikament beläuft sich auf etwa 40€ pro 100 Milliliter, welcher über den gesamten Zeitraum der Anwendung aufzurechnen ist.

Statt Haartransplantation: Minoxidil und seine Nachteile

Das Medikament ist nicht immer nützlich. Bei einer Vollglatze beispielsweise ist die Anwendung nicht hilfreich. Der bisherige Verlust lässt sich so also nicht wiederbeleben, der Haarausfall wird nur gestoppt. Außerdem wirkt das Medikament nicht bei jedem: 20 bis 30 Prozent der Anwender stellen keine Verbesserung fest. Insgesamt ist nur einer von zehn Anwendern zufrieden mit dem Ergebnis.

Darüber hinaus empfiehlt der Hersteller nur für Männer zwischen 18 und 49 Jahren Minoxidil. Und der Empfängerbereich darf nur zwischen drei und zehn Zentimeter groß sein. Bei Geheimratsecken ist das Mittel in der Regel nicht wirksam. Zudem sind hellhaarige Menschen gegenüber dunkelhaarigen benachteiligt, weil Antihypertonika bei ihnen seltener als gewünscht wirken.

Während der Behandlung treten mitunter Nebenwirkungen auf. Diese reichen von Kopfschmerzen über Juckreiz und Hautrötungen bis hin zu vermehrtem Haarwachstum außerhalb der behandelten Stellen. Sobald der Wirkstoff abgesetzt wird, setzt der Haarausfall wieder ein. Dieser ist ab etwa drei bis vier Monaten bemerkbar.

Es gibt zahlreiche Indikationen, bei denen das Mittel nicht angewandt werden darf, zum Beispiel bei schwangeren oder stillenden Frauen. Außerdem wird von der Anwendung abgeraten, wenn es keine Hinweise auf vorzeitigen Haarausfall bei nahen Verwandten gibt. In diesem Fall liegt der Haarausfall meist nicht den Genen zu Grunde.

Ein weiteres Problem ist die toxische Beständigkeit des Arzneimittels im Hinblick auf Katzen. Diese kann sich bereits bei Hautkontakt tödlich für die Katze auswirken. Wer eine Katze besitzt oder regelmäßig mit Katzen zu tun hat, sollte dieses Medikament daher nicht anwenden. Das gilt auch für Männer, die mit Schwangeren oder stillenden Müttern zu tun haben.

Vorteile: Haartransplantation statt Haarwachstumsmittel

Eine Haarverpflanzung ist die einzige wirksame Maßnahme, wieder zu vollem Haar zu gelangen. Profitieren können also auch Männer und Frauen mit sehr starkem Haarausfall und sogar Glatzenbildung. Auch die berüchtigten Geheimratsecken lassen sich wieder mit gesundem Haar auffüllen. Eine Voraussetzung ist, dass noch genug Spenderhaar vorhanden ist.

Eine Eigenhaarverpflanzung sorgt für dauerhafte Ergebnisse. Während du das Medikament gegen den Haarausfall ständig anwenden musst, ist die Haartransplantation nur wenige Male nötig. Nach der ersten Transplantation füllen behandelnde Chirurgen einzelne Bereiche noch auf, weil es oft zu weiterem Haarausfall rund um den Empfängerbereich kommt. Das ist aber erst nach etwa einem Jahr nötig.

Von vielen berühmten Männern ist bekannt, dass sie sich bereits einer Haartransplantation unterzogen haben: Vom Fußball-Trainer Jürgen Klopp über den Sänger Elton John bis hin zum Politiker Christian Lindner. Du kannst also mit gutem Gewissen zu der Maßnahme stehen und brauchst dich nicht dafür zu schämen oder schlecht zu fühlen.

Nachteile: Haartransplantation statt Haarwachstumsmittel

Für viele Menschen stellen die Kosten den größten Nachteil der Haarimplantation dar. In Deutschland, der Schweiz und Österreich kostet die Behandlung meist mehrere tausend Euro. In entfernter liegenden Ländern wie der Türkei kostet sie hingegen nur einige hundert bis etwa 2.000 Euro.

Bei der Haartransplantation ist wie bei der Behandlung mit Arzneimitteln für Haarwachstum eine mehrmonatige Wartezeit einzuhalten, bis sichtbare Ergebnisse vorliegen. Nach einigen Tagen nach der OP fallen die verpflanzten Haare aus. Die Follikel bleiben jedoch in der Haut und produzieren diese etwa drei Monaten nach.

Bei der Transplantation treten Schmerzen auf, jedoch betäuben die Anbieter die betroffenen Stellen. Ein weiterer Nachteil ist die Heilungsdauer am Spender- und Empfängerbereich.

Für Aktivitäten wie das Haarewaschen oder Sporttreiben herrschen strenge Regeln. Vorsichtiges Haarewaschen ist erst an Tag zwei nach der OP möglich. Bis sieben Tage nach der Implantation solltest du keinen Sport treiben.

Wer sich bei einem unerfahrenen oder nicht geschulten Chirurgen behandeln lässt, ist einem höheren Risiko für Komplikationen ausgesetzt. So könnte es zu einem unangenehmen Tragegefühl oder merkwürdig anwachsenden Grafts kommen. Eine gute Klinik ist also das A und O für den Eingriff.

Fazit: Haartransplantation und Minoxidil

Minoxidil ist für Männer und für Frauen geeignet (Ausnahme: schwangere und stillende Frauen). Doch weil das Medikament nicht immer bei Haarausfall wirkt, wünschen sich viele Betroffene eine professionelle Haartransplantation. Dabei müssen sie jedoch einiges beachten, wenn sie das Medikament weiternehmen möchten.

Setze zehn Tage vor der Eigenhaarverpflanzung das Medikament ab, um starke Blutungen zu vermeiden. Frühestens zwei Wochen nach der OP nimmst du die Behandlung wieder auf. Denn bis dahin ist der enthaltene Alkohol zu schädlich für die Wunden. Die weitere Anwendung hat Vorteile für dich, weil nach der Haartransplantation das Minoxidil schnelleres Wachstum bedingt.

Wer die Vor- und Nachteile von einer Haartransplantation und Minoxidil vergleicht, sieht dass das Transplantieren von Eigenhaar gegenüber dem Medikament wirksamer ist und vor allem langfristige Ergebnisse zur Folge hat. Das Medikament hat nicht zu unterschätzende Nebenwirkungen und wirkt nur für den Zeitraum, in dem es eingenommen wird und nicht darüber hinaus.