Die Folliculitis decalvans Therapie richtet sich gegen die Ursachen, die zu Entzündungen an den Haarbälgen führen können. Für die Erkrankung sind auch die Bezeichnungen Acne décalvante, Folliculitis depilans oder Quinquaudsche Krankheit üblich. Hier erfährst du alles über Hintergründe, Auswirkungen und Gegenmaßnahmen.

Was ist Folliculitis decalvans – Therapie möglich?

Bei Folliculitis decalvans handelt es sich und eine entzündliche Erkrankung der Haarbälge. Sie ist in den meisten Fällen die Ursache für fortschreitenden Haarausfall, wobei an die Stelle der Haare Narbengewebe tritt. Diesen Effekt nennt man vernarbende Alopezie. Zwar kommt Folliculitis decalvans nur relativ selten vor, dann allerdings ist der Verlauf in den meisten Fällen chronisch. Die Therapie hat daher vor allem das Ziel, vorbeugend zu wirken und die Ursachen zu bekämpfen, die zu dieser Entzündung der Haarfollikel führen.

Epidemiologie

Das Krankheitsbild wurde zum ersten Mal im Jahr 1888 durch den französischen Dermatologen und Internisten Charles-Eugène Quinquaud beschrieben. Dazu isolierte er aus den Haarbälgen von Patienten dort vorhandene Bakterien und verabreichte sie Kaninchen, Mäusen und Ratten. Allerdings blieb dieser Forschungsansatz erfolglos.

Erst 1905 gelang es dann dem französischen Dermatologen Louis-Anne-Jean Brocq und auch einigen anderen Forschern, die Erkrankung von anderen Narben bildenden Alopezien eindeutig zu unterscheiden und als eigenständiges Krankheitsbild zu dokumentieren.

Ungefähr 11 Prozent aller Alopezien, die mit Narbenbildung zusammenhängen, gehören dem Bereich Folliculitis decalvans an. Die Krankheit tritt vorzugsweise bei Männern im frühen und mittleren Erwachsenenalter auf. Amerikanische Studien haben erbracht, dass Afroamerikaner häufiger daran erkranken als hellhäutige Menschen.

Ursachen

Für eine erfolgreiche Folliculitis decalvans Therapie ist die Ursachenforschung von grundsätzlicher Bedeutung. Allerdings gibt es dabei bisher keine eindeutigen, wissenschaftlichen Erkenntnisse. Eine Tatsache, die mittlerweile feststeht, betrifft das Bakterium Staphylococcus aureus. Dieser Erreger spielt hier eine bedeutende Rolle.

Die Therapie richtet ihr Augenmerk in diesem Zusammenhang vor allem auf Läsionen, also auffällige Erscheinungsbilder der Haut wie beispielsweise Geschwüre, Krusten, Bläschen, Knötchen oder Papeln. In diesen Bereichen ist der Staphylococcus aureus vorwiegend nachweisbar. Unklar sind noch Ursache und Wirkung: Entweder folgt das Bakterium einer ursprünglich sterilen Infektion nach, oder die primäre Infektion erfolgt direkt durch das Virus, was dann zu einer heftigen Immunreaktion führt.

Ein weiterer Effekt kann durch Toxine hervorgerufen werden, die das Bakterium gebildet hat. Sie wirken dann als Superantigene, durch welche die T-Zellen auf dem Weg über die Rezeptoren direkt aktiviert werden.

Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Virus und Folliculitis decalvans lässt sich mittlerweile als so gut wie sicher definieren. Während das Bakterium nur bei 20 bis 30 Prozent der gesunden Menschen auf der Haut vorkommt, ist es bei erkrankten Personen so gut wie immer feststellbar. Allerdings gibt es Indizien, dass das Bakterium nicht als alleiniger Auslöser gelten darf:

Kommt das Bakterium auch bei fast allen Patienten mit dem Krankheitsbild vor, ist der Umkehrschluss dennoch unzulässig. Das Bakterium tritt auch bei Menschen auf, die nicht daran leiden – also muss es für die Haarbalgerkrankung noch weitere Ursachen geben. Eine substanzielle Therapie darf diesen Aspekt nicht außer Acht lassen.

Untersuchungen, die ganze Familien umfassen, haben erbracht, dass sich die entzündete Hautveränderung in vielen Fällen auf den gesamten Familienverbund erstreckt. Das lässt die Vermutung zu, dass hierfür eine genetisch bedingte Anfälligkeit (Prädisposition) vorhanden sein muss.

Sie kann sich beispielsweise in einer ungewöhnlich gestalteten Haarbalgöffnung manifestieren, die es dem Bakterium erleichtert, sich in den Follikeln anzusiedeln. Auch könnte das interzelluläre Verankerungsprotein ICAM-1 ein Mitverursacher sein. Seine Fähigkeit, weiße Blutkörperchen und neutrophile Granulozyten (spezialisierte Immunzellen) anzuziehen, könnte die verstärkte Entzündungsbildung in den Haarbälgen fördern.

Die Folliculitis decalvans Therapie muss alle auftretenden Auslösefaktoren berücksichtigen und daraus die individuell geeignete Gegenstrategie entwickeln.

Symptomatik

Das erste Stadium sind Papeln im Bereich der Haarbälge. Später entwickeln sich auch Pusteln. Die pathologischen Hautveränderungen (Effloreszenzen) breiten sich flächenartig aus, wenn sie nicht behandelt werden. Das Ergebnis ist eine Narbe, die in der Mitte der Ausbreitungsfläche angesiedelt ist und in der Folge der endgültige Haarverlust. Sekundäre Effekte sind dabei Schmerzen, Hautbrennen, Juckreiz und blutende Krustenbildung.

Ein typischer Effekt ist außerdem das irreguläre Verhalten den Haarausfall betreffend. Zwar kann die entzündliche Hauterkrankung überall da auftreten, wo Haare wachsen, doch führt das nicht in jedem Fall zum Verlust. Während der Haarbestand im Bart, am Nacken, bei der Achselbehaarung und im Schambereich größtenteils erhalten bleibt, führt die Entzündung im Bereich der Kopfbehaarung fast immer zu dem beschriebenen irreversiblen Haarverlust. Die Therapie richtet ihr Hauptaugenmerk daher vor allem auf diese Region.

Diagnostik

In der Regel erfolgt zunächst ein Abstrich der betroffenen Hautregion. In den meisten Fällen ist damit auch die Erstellung eines Antibiogramms verbunden. Vielfach führt der Arzt auch einen nasalen Abstrich durch, um eventuell verborgene Ansiedlungsregionen des Bakteriums zu identifizieren.

Im nächsten Schritt wird aus einer Pustel eine Kultur angelegt. Darauf folgt eine Probebiopsie. Sie dient der histologischen Aufarbeitung, durch die sich eine chronisch eitrige Gewebsentzündung im Bereich der Haarbälge (Perifollikulitis) nachweisen lässt. In der Regel liegt dieses Bild im Anfangsstadium vor.

Bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf sind auch ungewöhnliche Anhäufungen weißer Blutkörperchen und kleine Abszesse zu beobachten. Ein längerfristiger Effekt bringt außerdem Granulationsgewebe hervor, das am rauen Oberflächenbild und der Tendenz zu Blutungen erkennbar ist. Im Endstadium schließlich stellt sich Fibrose ein, also eine Wucherung des Bindegewebes.

Zusätzliche diagnostische Erkenntnisse lassen sich durch die Auflichtmikroskopie gewinnen. Sie eignet sich vor allen Dingen zur Lokalisierung follikulärer Hyperkeratosen (übermäßige Hornbildung) oder perifollikuläre Erytheme (ungewöhnliche Hautrötungen).

Therapie

Das Hauptziel der Folliculitis decalvans Therapie ist die Beseitigung von Staphylococcus aureus. Darauf richten sich alle primären Bemühungen. Als Verfahren gibt es die antibiotische und die antientzündliche Therapie. Für beide Verfahren existiert sowohl die externe Anwendung als auch die interne Verabreichung (Medikamenteneinnahme).

Externe Therapie:

Diese Anwendung ist nur bei leichten Krankheitsverläufen ratsam. In den meisten Fällen kommt sie nur als begleitende Maßnahme zum Einsatz. Mittel, die auf die Haut aufgetragen werden, enthalten meist 2 Prozent Mupirocin, 2 Prozent Erythromycin-Lösung, 1,5 Prozent Fusidinsäure oder 1 Prozent Clindamycin.

Alternativ lassen sich auch Glukokortikoid Cremes der Klasse 1-2 anwenden. Sie werden – wenn nicht anders verordnet – einmal oder zweimal täglich aufgetragen. Externe Maßnahmen eignen sich grundsätzlich nicht zur Langzeitanwendung.

Interne Therapie:

Für schwerere Krankheitsverläufe ist die interne Therapie anzuraten. Sie erfolgt mit Hilfe von Antibiotika. Nach Ansicht vieler Ärzte und Wissenschaftler erzielt die Einnahme von Rifampicin die bestmögliche Wirkung gegen Staphylococcus aureus. Auch wird diesem Wirkstoff die beste Langzeitwirkung nachgesagt. Die Dosis ist 300 mg zweimal täglich über 10 bis 12 Wochen hinweg. Ein Risikofaktor ist die mögliche Resistenzbildung. Um dem entgegenzuwirken, ist die kombinierte Einnahme mit Ciprofloxacin oder Clindamycin empfehlenswert.

Eine verbreitete Methode stellt die Einnahme des Antibiotikums Tetracyclin dar. Die Therapie beginnt mit der Dosis 1 Gramm täglich oral. Darauf folgt die verminderte Dosis 500 Milligramm täglich.
Ein anderes Therapiekonzept ist die Behandlung mit Isotretinoin. Bei starken Entzündungserscheinungen ist auch die kurzfristige Anwendung mit Glukokortikoiden eine sinnvolle Option. Nach einem Beginn in mittlerer Dosierung mit 60 bis 80 Milligramm täglich – beispielsweise mit Decortin H – wird die Therapie mit fallender Dosis fortgesetzt.

Wie bei Kuren mit Antibiotika üblich, kann auch bei der Folliculitis decalvans Therapie ein zu frühes Absetzen zu drastischen Rückfallerscheinungen führen. Die Folge ist eine deutliche Verlängerung der Anwendungsdauer – manchmal auf Jahre hinaus.

Alternative Methoden sind die orale Abgabe von Fusidinsäure oder Zinksulfat. Auch eine Behandlung mit Dapson ist bei den alternativen Anwendungen gängige Praxis.

Wie bereits erwähnt, ist der durch die Krankheit ausgelöster Haarausfall endgültig. Aus diesem Grund solltest du bereits im Frühstadium – bevor der massive Verlust der Haare beginnt – mit der Therapie beginnen.

Fazit

Das strategische Ziel bei der Therapie gegen Folliculitis decalvans ist die Bekämpfung von Staphylococcus aureus, worauf alle primären Maßnahmen abzielen. Die externe Therapie ist allerdings nur bei leichten Krankheitsverläufen anzuraten. Schwere Krankheitsverläufe erfordern in jedem Fall die interne Therapie unter Anwendung von Antibiotika, wobei sich der Einsatz von Rifampicin als effektivste Strategie erwiesen hat.

Einer möglicherweise auftretenden Resistenzbildung lässt sich durch eine kombinierte Anwendung zusammen mit Ciprofloxacin oder Clindamycin entgegenwirken. Alternativ kann auch die Behandlung mit Isotretinoin oder das kurzfristige Einsetzen von Glukokortikoiden helfen.