Trichotillomanie

Geschrieben von | 3. März 2020 |Blog | 0

Trichotillomanie

Viele Menschen, vor allem junge Mädchen und Frauen zwirbeln in Momenten der Nervosität und Anspannung Haarsträhnen zwischen den Fingern. Auch hierbei handelt es sich um einen Zwang, den Du nicht bewusst kontrollierst oder gar steuerst. Doch die Trichotillomanie ist eine Zwangsstörung, bei der Dir die Impulskontrolle vollständig entgleitet.

Das Haarausreißen beschränkt sich nicht primär auf den Kopf, sondern kann auch die Augenbrauen, die Wimpern oder die Barthaare betreffen. Die Ursachen sind komplex, die Mechanismen differenziert aber das Resultat ist identisch.

Ohne eine Therapie der Zwangsstörung kommt es erst zur stellenweisen, später zur vollständigen Glatze und den damit verbundenen Einflüssen auf Dein seelisches Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein.

Ursachen der Trichotillomanie

Es gibt nicht die Eine, die alles erklärende und leicht diagnostizierbare Ursache für Trichotillomanie. Der Zwang zum Haarausreißen kann verschiedene Gründe haben und sich im Kindesalter, aber auch im Erwachsenenalter herausbilden. Meist bleibt die Ursache unerkannt, da sich die Zwangsstörung langsam entwickelt und im Umfeld der Betroffenen kaum wahrgenommen wird. Wie bereits angesprochen, ist es nicht ungewöhnlich, dass sich vor allem junge Mädchen bei großer Nervosität mit einer Strähne ihres Haares beschäftigen.

Ob sich in diesem Verhalten bereits der Grundstein für das zwanghafte Haarausreißen wiederfindet, ist trotz langjähriger Forschung nicht wirklich geklärt. Fakt ist aber, dass 90% unter dieser Zwangsstörung leidenden Personen weiblich sind. Während die Kernursache, die zur Erkrankung führt und die Impulskontrollstörung verursacht unbekannt ist, gibt es eine ganze Reihe an Ursachen, die den Zwang fördern.

Bei psychischem Stress, bei Ängsten und bei Unsicherheit sowie starker Anspannung verstärkt sich der Zwang und wird übermächtig. Beispielsweise kann der Kontrollverlust im Zusammenhang mit Prüfungsangst oder mit Unsicherheit in Gesellschaft fremder Menschen auftreten.

Auch partnerschaftliche Probleme oder ein Verlust in Deinem Leben können den Zwang begünstigen. Die Kontrolle über die Handlung geht vollständig verloren, doch nach dem Herausreißen der Haare ist die Anspannung verschwunden.

Symptome für die Impulskontrollstörung

Das hauptsächliche Symptom ist der Haarausfall, der je nach Ausprägung der Zwangsstörung marginal oder stark, flächenweise oder auf dem ganzen Kopf und im Gesicht eintritt.

Weitere auf die Trichotillomanie hinweisende Anzeichen können starke Nervosität, Unsicherheit oder Ängste sein. Viele Betroffene leiden unter mangelndem Selbstbewusstsein und weiteren Zwangsstörungen wie übermäßigem Händewaschen oder einem Kontrollzwang.

Auch wenn der Zwang als Impulskontrollstörung bezeichnet wird, betrifft er auch Personen, die sich das Haar ganz bewusst ausreißen. Andere Betroffene ritualisieren einen Automatismus und nehmen die Handlung unbewusst vor.

Die Symptomatik variiert von Mensch zu Mensch und kann je nach Situation stärker oder weniger stark zelebriert werden. Perspektivisch bilden sich kahle Stellen in den Regionen, wo die Haare entweder einzeln oder büschelweise herausgerissen werden.

Hinweise auf diese Zwangsstörung können sich auch im Ausreißen von Tierhaaren, von Deckenfusseln oder von Fäden aus der Kleidung zeigen. Begleitsymptome wie Nägelkauen, das Abreißen von Finger- und Fußnägeln mit der Hand oder das Herumzupfen und Kratzen an der eigenen Haut sind keine Seltenheit.

Wenn Du Dich häufiger beim Zwirbeln oder Ziehen an Deinem Haar, beim Kauen oder Reißen an den Nägeln und bei ritualisierten Manipulationen Deiner Haut erwischt, solltest Du diese Symptome ernst nehmen.

Im Anfangsstadium der psychischen Störung ist ein Voranschreiten der Symptome bis hin zur Kahlköpfigkeit oder dem Verlust der Gesichtsbehaarung vermeidbar. Um für Abhilfe zu sorgen, musst Du Dir den Zwang eingestehen und professionelle Hilfe annehmen.

Diagnose bedarf einer psychologischen Untersuchung

Bei Trichotillomanie entsteht der Haarverlust nicht aufgrund eines Mangels oder einer körperlichen Erkrankung. Vielmehr führst Du ihn selbst herbei, in dem Du Dein Haar manipulierst und dem unaufhaltsamen Zwang folgst.

Ein Psychologe erstellt die Diagnose anhand der Symptome und weiterer Verhaltensauffälligkeiten. Es ist bekannt, dass Menschen mit dieser Zwangsstörung häufig unter Depressionen leiden und keinen eigenen Ausweg aus dem Kreislauf finden.

Reißt Du Dir das Haar aus, versuchst den Rhythmus zu unterbrechen und den Zwang zu beenden und verzweifelst daran, stellt der Psychologe eine sichere Diagnose. Eine körperliche Untersuchung ist in diesem Fall nicht notwendig, da die Symptome zwar körperlich, die Ursachen aber mental sind.

Du wirst Fragen beantworten, in denen es um Dein privates und berufliches Leben geht. Der Psychologe wird Dich zu eventuellen Traumata befragen und herausfinden wollen, wie lange Du die Manipulation Deiner Haare bereits zelebrierst.

Leidest Du unter Begleiterkrankungen wie einer schweren Depression oder sonstigen Zwangsstörungen, kann eine klinische Therapie als sinnvollster Start in ein Leben ohne Zwänge dienen. Meist liegen die Gründe weit zurück und sind in Deiner Kindheit zu finden.

Das anfängliche Haare Zwirbeln oder das Herumkaufen auf Deinem Haar kann eine klare Richtungsvorgabe sein, ohne dass Du Dir dem Beginn der Zwangsstörung bewusst bist.

Umso wichtiger ist Deine ehrliche Antwort auf alle Fragen, ob und in welchem Umfang Du früher Interesse an Deinem Haar gezeigt und es manipuliert hast. Viele Erwachsene leiden unter dem Impulskontrollverlust, der aus der Kindheit übernommen wurde und sich im Laufe des Lebens ritualisiert hat.

Behandlungsmöglichkeiten und Therapie | Ursachen- und Symptombehandlung

Die Behandlung einer Trichotillomanie bedarf sowohl einer Neukoordinierung Deines Verhaltens wie einer meist medikamentösen Unterdrückung der Symptome. Beide Behandlungsmethoden erzielen solitär für sich nicht die gewünschte Wirkung.

Es bringt keinen Effekt, wenn Du Dir Eigenhaar verpflanzen lässt und nach der Haartransplantation weiter Deinem Zwang nachgibst. Ebenso kontraproduktiv ist die Verhaltenstherapie zur Abstellung der Automatismen, wenn Du aufgrund der Kahlköpfigkeit verstärkt unter Depressionen leidest und aus dem Unglück heraus wieder mit der Manipulation der Haare beginnst.

Fingerspitzengefühl und Erfahrung des Psychologen sind die Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung, die sich auf die Gesamtheit Deines Körpers und Deiner Seele bezieht. In vielen Fällen kann eine neue Perspektive auf Geschehenes hilfreich und der Grundstein für eine erfolgreiche Therapie sein.

Die kognitive Verhaltenstherapie bei Trichotillomanie zielt darauf ab, Dir Deine Handlungen bewusst zu machen und die Auslöser zu identifizieren. Anschließend werden Strategien entwickelt, die Du anstelle des Haarausreißens in diesen Situationen anwendest.

Durch eine gleichzeitige medikamentöse Behandlung mit angsthemmenden und die Stimmung aufhellenden Präparaten kann selbst eine schwere Ausprägung des Impulskontrollverlustes in den Griff bekommen werden.

Kontrollierst Du Deine Impulse und Deine Handlungen wieder eigenständig, kann eine Haartransplantation für die Bekämpfung der entstandenen und meist unwiderruflichen Schäden in der Ästhetik vorgenommen werden.

Viele Betroffene reißen sich das Haar mit der Wurzel heraus, wodurch die Stellen auf Deinem Kopf kahl bleiben, auch wenn Du dem Haarausreißen entsagst und keine neue Manipulation vornimmst. Für die Durchführung des minimalinvasiven Eingriffs muss die psychologische Behandlung erfolgreich abgeschlossen worden sein.

Fazit | Wenn die Impulskontrolle weicht und die Zwangshandlung zu Haarschwund führt

Volles Haar ist ein Zeichen für Deine Jugend, Deine Gesundheit und Deinen Fokus auf die Körperpflege. Dünnes, fransiges und von kahlen Stellen durchzogenes Haar lenkt alle Blicke auf Dich und führt dazu, dass Du Dich in Gesellschaft immer unwohler fühlst und perspektivisch jeglichem Kontakt mit anderen Menschen ausweichst.

Bei Trichotillomanie ist der Haarschwund vorprogrammiert, da Du ihn durch das Herausreißen einzelner Haare oder ganzer Haarbüschel selbst erzeugst. Betroffene haben oftmals Phasen, in denen sie die Kontrolle über ihre Impulse zurückbekommen und mit dem Haarausreißen aufhören möchten. Ohne psychologische Hilfe ist eine Flucht aus dem Zwang praktisch unmöglich.

Die Trichotillomanie ist eine Erkrankung Deiner Seele, die einen Zwang fördert und Dir die Kontrolle über deine Handlungen nimmt. Gegen den Haarschwund kannst Du vorgehen, in dem Du Dir psychologische Hilfe holst und eine kognitive Verhaltenstherapie machst. Anschließend ist eine Haartransplantation, die Eigenhaarverpflanzung in einer professionellen Haarklinik zur Behandlung der sichtbaren Symptome möglich.

ÜBER DEN AUTOR

Haarausfallen Autor
Haarausfallen

Warum führe ich diesen Haarausfall-Blog? Weil ich schon mit 19 unter Haarausfall gelitten und ihn nun endlich in den Griff bekommen habe. Ich möchte alle Erfahrungen der Menschen zum Thema Haarausfall verbinden, eine Plattform zur anonymen Diskussion über das sensible Thema Haarausfall bieten und gemeinsam Lösungen finden.

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